Gepostet: 01.05.2021

Joseph Gaßner

Gestern auf der Corona-Teststation

Eine Begebenheit hat sich mir eingeprägt, zeigt sie doch, wie sehr die Pandemie den Umgang der Menschen untereinander verändert hat.

Herein kam eine vierköpfige Familie für den PCR-Test, d.h. für den Abstrich im Rachen. Darunter war ein kleines Mädchen, vielleicht vier Jahre alt. Sie saß auf dem Schoß ihrer Mutter, musste aber leider nach der Prozedur heftig schreien und wollte sich nicht mehr beruhigen. Ich war so vorsichtig wie möglich gewesen, da ich auch meinen eigenen Würgereflex kenne.

Danach kam eine halbwegs junge Frau, halbwegs rot im Gesicht. Sie schaute schräg zum Stuhl und fragte mit bebender Entrüstung, ob sie sich jetzt unbedingt auf diesen Platz setzen müsse oder ob sie auch woanders bleiben könne "bei all dem Aerosol von dem Kind jetzt über dem Stuhl". Ich merkte, wie sie Widerstand erwartete. Gestählt durch meine jahrelange Beratungstätigkeit konnte ich Ihr mit absoluter Überzeugtheit sagen: "Selbstverständlich! Wo Sie wollen!"
Sie blieb bei der Tür stehen und es war alles gut.

Es hat mich berührt, dass man in einem kleinen Kind, das früher als Symbol der Unschuld galt, heute nur noch eine Aerosolquelle sowie potenzielle Virenschleuder sieht.
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